Besuch der Medienreferentin Oberbayern beim Theater PUR Pullach: "Wer hat Angst vor Viginia Woolf...?"

Spielbericht zu: Wer hat Angst vor Virginia Woolf...? - Theater PUR
Besuch der Medienreferentin Oberbayern beim Theater PUR Pullach: "Wer hat Angst vor Viginia Woolf...?"

Wenn man das oft als „Mutter aller Eheschlachten“ bezeichnete Stück „Wer hat Angst vor Virginia Woolf...?“ von Edward Albee in Angriff nimmt, dann muss man gegen berühmte Vorbilder anspielen, nämlich Elizabeth Taylor in der Rolle der Martha und Richard Burton in der Rolle des George. Nicht nur dass die beiden glänzende Schauspieler waren, sondern auch dass beide ein Stück weit ihre eigene Beziehung auf die Bühne gebracht haben. Diese Tiefen muss man erst mal ausloten können! Selbst berühmte Profi-Schauspieler hatten daran zu knabbern. Christine Kuchler von Theater PUR aus Pullach i. Isartal gelingt das Kunststück, die Martha von Elizabeth Taylor 2 ½ Stunden vergessen zu lassen. In jedem Moment wirkt sie auf der Bühne authentisch und bringt wechselnde Gefühle wie Agressivität, Laszivität, Verletzlichkeit, Arroganz und Resignation glaubhaft über den Bühnenrand. Ihr Bühnen(ehe)partner Chris Markl regiert dagegen mit stoischer Gelassenheit. Glänzend in seiner ersten Bühnenrolle Johann Prem als karrieregeiler Potenzbock Nick, desgleichen seine Partnerin Jasmin Hoffmann als das Häschen Hanni, das nicht viel versteht oder verstehen will.

Das Bühnenbild ist mit 60er Jahre-Möbeln bestückt und damit stimmig für die Zeit, in der das Stück entstand; sehr schön: die CD-Kaskade und der als Bücherregal bemalte Paravent. Allerdings passt dazu nicht, dass der Regisseur in seiner Ansprache zu Beginn das Stück in die Neuzeit und nach Bayern verlegt. Auch die bayrischen Passagen im Text des Hauptdarstelllers stören eher. Würde das Stück tatsächlich in der Neuzeit spielen, müsste man sich als Zuschauer ernsthaft fragen, warum George Martha nicht einfach verlässt – etwas was in der 60er Jahren noch nicht so üblich war.

Dem Regisseur Holger Ptacek ist es jedenfalls gelungen, zu zeigen, dass man als Amateurtheater auch mal solche Stücke in Angriff nehmen kann, vorausgesetzt man hat die passenden Schauspieler, die bereit sind, bis an ihre Grenzen zu gehen.

Theater PUR wurde 2006 als Theaterprojekt an der VHS Pullach gegründet und bringt in der Regel zwei Komödien pro Jahr und in ungeradem Rythmus eine Tragödie heraus. Der Not gehorchend, dass die meisten Stücke mehr männliche Darsteller erfordern, die Mitglieder von Theater PUR aber überwiegend weiblich sind, hat Holger Ptacek mittlerweile sieben Stücke selbst geschrieben, vor allem für Frauen. Durch den Wegfall ihrer Stammbühne, der Sollner Kultbühne im Iberl hat die Gruppe letzten Herbst eine Zwangspause gemacht und spielt ab März ihre Komödien im Hofbrauhaus Stub'n Solln. Daneben spielen sie regelmäßig „auswärts“ wie viele andere Münchner Amateurtheatergruppen vor allem im Einstein Kultur, im Pepper Theater und in der Pasinger Fabrik.

Weitere Vorstellungen:

29.02., 20:00h und 01.03., 18:00h im Bürgerhaus Pullach,

01.05., 02.05., 20:00h und 03.05., 18:00h in der Pasinger Fabrik

16.05., 20:00h im KUBIZ Unterhaching


Theater PUR
Quelle: Inge Kuhn

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