ZUSATZAUSBILDUNG
3. Lehrgang – 2010/2011
Erfahrungsfeld Theater
…..theatrale Kompetenzen erwerben

Inhalt
1. Beschreibung
2. Zielgruppen
3. Ziele der Ausbildung
4. Inhalte der Ausbildung
5. Selbststudium
6. Coachingprozess einer Soloarbeit
7. Zeitumfang
8. Abschluss
9. Veranstalter und Ausbildungsleitung
10. Kosten und Vereinbarungen
11. Terminübersicht
„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist
– und er ist nur dort ganz Mensch, wo er spielt.“
(Friedrich Schiller)
1. Beschreibung
Theater kann zum Ereignis, zum Spiegel der Gesellschaft werden. In einer Umgebung, die zunehmend auf Individualismus ausgelegt ist, kann Theater als Mittel gemeinschaftlichen Arbeitens ein Erfahrungsfeld sein, in der die Begegnung von Mensch zu Mensch mittels darstellender Kommunikation in vielfältiger Weise möglich ist.
Die Werkstatt will mit Grundlagen bekannt machen, die die Teilnehmenden zu gemeinsamem kreativem Handeln anregen. Dazu lernen die Teilnehmer/innen verschiedene Ansätze des Ensembletheaters kennen. Hierbei wird ein Weg von der freien Improvisation für Spieler über die aktive Handhabung von Methoden bedeutender Theatermacher und Theaterpädagogen bis hin zur Rollen- und Szenenarbeit nach literarischen Vorlagen gegangen.
Neben der Theaterarbeit liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Anleitung, Beobachtung und Auswertung von Gruppenaktionen. Dabei wird das Ziel verfolgt, Methoden und Techniken der theaterpädagogischen Gruppenarbeit zu entwickeln, die zum einen dem Produkt und zum anderen dem Prozess gerecht werden und die eine fruchtbare und flexible Wechselwirkung erlauben. Insbesondere wird auf den Transfer und die Einsatzmöglichkeit in der Jugendarbeit wert gelegt.
Die Kursteilnehmer/innen werden befähigt, mit diesen theatralen Kompetenzen die verschiedenen Dimensionen von Theaterspiel aufzuspüren und für die eigene Theaterarbeit als Multiplikator nutzbar zu machen.
2. Zielgruppen
Die Fortbildung richtet sich an alle, die Theaterarbeit im beruflichen oder ehrenamtlichen Rahmen initiieren (wollen), insbesondere Pädagogen/innen, Lehrer/innen, Erzieher/innen, Jugendleiter/innen, sowie alle anderen Theater-Interessierten.
Teilnahmevoraussetzungen:
Grunderfahrungen als Darsteller/in oder Anleiter/in.
3. Ziele der Ausbildung
Ziel der berufsbegleitenden Fortbildung ist die Vermittlung von
Kenntnissen und Fertigkeiten im künstlerischen, und (theater-)
pädagogischen Bereich. Der Teilnehmer/die Teilnehmerin der
Fortbildungsreihe erwirbt Kompetenzen für seine/ihre Arbeit.
Die Ausbildung ist abgestimmt auf die Rahmenrichtlinien des
Bundesverbandes Theaterpädagogik (BuT) und bildet das erste von zwei
Modulen für die Grundlagenausbildung Theaterpädagogik. Die
Anerkennung hierfür ist beim BuT beantragt und ist in Bearbeitung.
Die Zielsetzung im Einzelnen:
· Befähigung zur selbständigen Durchführung von Theaterprojekten mit
unterschiedlichen Zielgruppen und Altersstufen
· Erlernen der Grundlagen des Theaterspiels und der Körperarbeit
· Kennen lernen verschiedener Methoden der Rollenarbeit und szenischen
Arbeit
· Weckung der eigenen Spielfreude und Phantasie
· Förderung von Wahrnehmung, persönlichem Ausdruck und
künstlerischer Darstellung
· Aneignung von Schauspiel-Grundlagen im Erleben und Darstellen wie
auch von ästhetischen Kompetenzen
· Einblick erhalten in theatertheoretische Ansätze, Dramaturgie und
Pädagogik, sowie in die Grundkenntnisse der Theatergeschichte
· Vermittlung verschiedener Formen der Regiearbeit (Abstimmung von
Spielweise, Kostüm/Maske, Objekten/Requisiten, Klängen, Bühnenraum,
Medien etc.)
· Kenntnisse erlangen über verschiedene Theatergenres und Stilmittel
· Einsichtnahme in Methodik und Didaktik in der Theaterarbeit
· Kennen lernen theaterpädagogischer Grundfragen, Methoden und
Arbeitsfelder
· Sensibilisierung für Prozesse und Produktionen in der Gruppe
· Reflexion der eigenen Spiel- und Spielleitungspraxis
4. Inhalte der Ausbildung
Im Mittelpunkt der Ausbildungen stehen Grundlagen und Methoden der Theaterpädagogik wie auch Körperarbeit und verschiedenste Formen der Improvisation.
Hiermit soll die theatrale Spielfähigkeit der Teilnehmer neu erweckt und herausgefordert werden. Mit gezielten Übungen zu den Bereichen Bewegung, Mimik, Gestik, Timing werden Sinne geschärft und darstellerische Kompetenzen entdeckt. Spiel und Improvisation als schöpferisches Element erfahren und sich auf diesem Weg einem darzustellenden Thema annähern, wird im Mittelpunkt stehen. Somit entsteht eine Auseinandersetzung mit Themen wie:
· Warm-Up, verbale/nonverbale Kommunikation, Statuenarbeit,
· Statusarbeit, Plattformen/Tableaux erstellen, vorszenische Übungen,
· Spielpädagogik, Spielkompetenz, Konzentration + Kooperation,
· Vorstellungsvermögen, Ausdrucksvermögen, Wahrnehmung,
· Improvisation und Improvisationstheater.
Durch szenische Arbeit im Ensemble, wie auch in Kleingruppen, ist zu erkennen, dass Theater erst in der Form des Rollenspiels zu seinem eigentlichen Wesen kommt und für Spieler wie Zuschauer seine Produktivität als Erfahrungs(spiel)raum zur Geltung bringt. In Rollen und Szenen werden die eigenen Vorstellungen, Gefühle, aber auch Verhaltensweisen und Verhaltensmöglichkeiten dargestellt. Über die Polarität von Gefühls- und Körperzuständen werden Haltungen eingenommen, wahrgenommen und besser verstanden.
Die Theatermethoden bedeutender Theaterpädagogen können auch wegführen von einer naturalistischen Darstellung von Wirklichkeit und hin zu szenischen Spielprozessen, in denen der Spieler Haltungen einzunehmen hat – intellektuell wie körperlich. Nähe und Distanz sind ebenso bei Praktiken aus der Theaterpädagogik von Bedeutung.
Jede Annäherung an eine Rolle wird für den Darsteller zu einem Dialog mit sich selbst. Je stärker er das eigene Denken und Fühlen zu entgrenzen vermag, umso mehr wächst in ihm das Leben seiner Rollenfigur. Er geht von sich aus und darf nicht bei sich stehen bleiben, bis aus dem „Ich selbst“ der gespielte „Andere“ hervortritt.
Die Arbeit an der Figur soll über theaterpädagogische Methoden für den Schauspieler über zwei Wege vermittelt werden: Von Außen nach innen (z.B. Brecht) und von innen nach außen (z.B. Boal). Somit entsteht eine Auseinandersetzung mit Themen wie begründetes Handeln, Text und Subtext, Status, Typ und Charakter, Schauspieltheorie.
5. Selbststudium
Die Teilnehmer/innen sollen im Selbststudium
· die Kompetenz schulen, literarische Texte und Theatertexte inhaltlich zu
verstehen und zu hinterfragen.
· Theater als Instrument zum Verstehen und Beschreiben von (komplexen)
gesellschaftlichen Situationen erleben und reflektieren.
· vertiefte Struktureinsichten, in die in den Texten behandelten Themen,
gewinnen, sowie bedeutende Begriffe und Inhalte erkennen und klären.
· die erfassten Inhalte verständlich und korrekt in eigener Ausdrucksweise,
in formaler Sprache und mit Veranschaulichungen in Protokollen
beschreiben.
· Übungseinheiten erarbeiten, vorbereiten und selbständig in der Gruppe
anleiten.
· szenische Hausaufgaben erarbeiten.
6. Coachingprozess einer Soloarbeit
Im Theater-Coaching, das den Prozess einer szenischen Soloarbeit, von der Themenfindung, über den spielerischen Prozess bis zur Aufführung und Dokumentation begleitet, erhalten die Teilnehmer theaterpädagogische Unterstützung. Durch Denkanstöße, Erweiterung des eigenen Einflusses und Befähigung zum zieldienlichen Verhalten analysieren die Teilnehmer ihre theatralen Stärken und Schwächen. Sie erhalten Hilfestellung um auf ihre Stärken aufzubauen und lernen mit ihren Schwächen umzugehen, oder sie gar zu kompensieren.
7. Zeitumfang
Die berufsbegleitende Seminarreihe ist das erste von zwei Modulen für
die Ausbildung zum Theaterpädagogen und erstreckt sich über fünf
Seminar-Wochenenden, á 26 Stunden, sowie eines mehrtägigen
Workshops mit 46 Stunden, in einem Zeitraum von 12 Monaten. Die
Ausbildungswochenenden beginnen jeweils am Freitag um 18 Uhr und
enden an den Sonntagen um ca. 17 Uhr.
Zwischen den jeweiligen Kursphasen sind entsprechend Einheiten für
das Selbststudium einzurechnen. Die Ausbildung geht über zwei
Kalenderjahre – Beginn ist mit der ersten Seminareinheit im Oktober
2010 und das Abschlusswochenende ist im November 2011. Unmittelbar
daran kann das Modul Zwei für die Ausbildung zum Theaterpädagogen
nach den Rahmenrichtlinien des Bundesverbandes für
Theaterpädagogik gestartet werden, sobald die entsprechende
Anerkennung erfolgt ist.
Auf die ganze Ausbildung entfallen ca. 176 Seminar-Stunden und
zusätzlich sind mindestens 24 bis maximal 50 Stunden für das
Selbststudium zu kalkulieren, je nach Umfang und Thematik der Solound
Hausarbeiten.
Die einzelnen Ausbildungswochenenden beinhalten folgende Themen:
1) Theaterimprovisation
Einführung in die Theaterimprovisation, auf der Bühne wie auch als szenische
Methode und Einblick in das Improvisationstheater
2) Einführung in die Theaterpädagogik
Kennenlernen der Grundlagen der Theaterpädagogik wie auch der
theaterpädagogischen Methoden nach Augusto Boal
3) Körpersprache und Bewegung
Einfühlen in das Körperbewusstsein und die Bewegungsmöglichkeiten auf der
Bühne und Einblick in das Maskenspiel
4) Methodik der Theaterpädagogik
Theaterpädagogische Methoden nach Bertold Brecht und
theaterpädagogische Auseinandersetzung mit sozialkritischen Themen
5) Zeit, Raum und Requisit in der Ensembleimprovisation
Bühnenräume und Handlungsebenen, Zeitformen und Timing in der
szenischen Arbeit, Bedeutung des Spiels mit dem Requisit
6) Präsenz und Präzision auf der Bühne
Gestaltungsfelder, Projektverfahren, Spielformen und Themen in der
Präsentation szenischer Arbeiten
8. Abschluss
Am Ende der Ausbildung erhalten die Teilnehmer/innen ein ausführliches Zertifikat über die Inhalte der Ausbildung und den erfolgreichen Abschluss.
Der zertifizierte Abschluss der Zusatzausbildung lautet
„Projektleiter/in im Erfahrungsfeld Theater“
Als Leistungsnachweise müssen erbracht werden
· die Teilnahme an allen sechs Ausbildungsseminaren
· die selbständige Anleitung und Dokumentation von
Gruppenübungen
· für die szenische Abschlussarbeit zu Hause selbstständiges Proben an
einem Solo und die Dokumentation der Arbeitsphasen in einer
schriftlichen Hausarbeit.
· Präsentation einer szenischen Abschlussarbeit
9. Veranstalter und Ausbildungsleitung
Veranstalter:
Institut für Jugendarbeit des Bayerischen Jugendrings KdöR
Germeringer Str.30
82131 Gauting
Ansprechpartner: Albert Fußmann
Telefon: 089 893233 10
Telefax: 089 893233 33
Email:
fussmann@institutgauting.de
Internet:
www.institutgauting.de
Durchgängige Ausbildungsleitung:
Marion Beyer
Theaterpädagogin
Regisseurin im Schultheater
Maskenbildnerin, Visagistin
Hermann J. Vief
Kultur- und Theaterpädagoge BuT
Regisseur, Schauspieler
Referent des BDAT
10. Kosten und Vereinbarungen
1.190 Euro für Theater-Amateure bzw. Mitglieder von Theatervereinen
1.390 Euro für alle Anderen
(Ratenzahlung möglich)
(eingeschlossen alle Kosten für Lehrmaterialien, Unterkunft und Verpflegung)
Bewerbungen bis 12. September 2010
Anforderung der Bewerbungsunterlagen bei
Institut für Jugendarbeit
Frau Wolleschak
Germeringer Str. 30
82131 Gauting
11. Terminübersicht
29. bis 31. Oktober 2010
Einstiegswochenende
Schwerpunkt: Theaterimprovisation
(Inhalte: Grundlagen des Theaterspiels, Wahrnehmungs- und Phantasieentwicklung,
Didaktik, Vermittlung verschiedener Improvisationsverfahren)
04. bis 06. Februar 2011
Schwerpunkt: Einführung in die Theaterpädagogik
und theaterpädagogische Methoden nach Augusto Boal
(Inhalte: Statuentheater, Zeitungstheater, Körperarbeit, Slow Motion)
15. bis 17. April 2011
Schwerpunkt: Körpersprache und Bewegung
und Einblick in das Spiel mit der Maske
(Inhalte: Tableaux, emotionale Haltungen, Körperarbeit, Choreographien)
08. bis 10. Juli 2011
Schwerpunkt: Methodik der Theaterpädagogik,
und theaterpädagogische Praxis nach Bertold Brecht
(Inhalte: Arbeit an literarischen Vorlagen, Rhythmus, dramaturgische Übungen)
30. September bis 03. Oktober 2011
Schwerpunkt: Zeit, Raum und Requisit in der Improvisation im Ensemble
(Inhalte: Sensibilisierung für Gruppenproduktionen und –prozesse, Ensemblearbeit,
Tempi, Spiel- und Handlungsebenen, Emotion und Requisit)
25. bis 27. November 2011
Abschlusswochenende
Schwerpunkt: Präsenz auf der Bühne,
(Inhalte: Szenenentwicklung, Inszenierungstechniken, Gestaltungsfelder,
Projektverfahren, Soloarbeit, Präsentation, Abschlussfeedback)
