Spielbericht zu Fahrenheit 451

Theater "gruppo di grappa" München
Spielbericht zu Fahrenheit 451

Mit großem Erfolg wurde „Fahrenheit 451“ bereits seit 2022 auf mehreren Bühnen in und um München präsentiert. Im Januar 2025 nahm uns dann die Pasinger Fabrik mit auf die Reise durch die Geschichte um Feuermann Montag, hinein ins anti-utopische ‚Irgendwo‘, in dem das Lesen von Büchern unter Strafe steht und Menschen mit Dauerunterhaltung beschäftigt und kleingehalten werden. Doch es kommt Hoffnung auf, als Feuermann Montag, ermutigt durch seine Bekanntschaft mit der geheimnisvollen Clarisse, den heldenhaften Schritt in ein neues Leben wagt, während seine Frau sich weiterhin der seichten Fernsehunterhaltung hingibt und sich anscheinend durch die Dauerüberwachung des Systems nicht gestört fühlt. Ein Kammerstück wie ein spannend-schauriger Science Fiction und gleichzeitig ein Kunststück, das mit dieser dicht gebauten Bühnenfassung von Ray Bradbury‘s Roman sehr überzeugend gelingt. Packend und intelligent mit zwei Darstellern inszeniert, wird das Stück so zu einer eigenständigen Version von „Fahrenheit 451“. 

Ray Bradbury (1920 - 2012) schrieb seinen berühmtesten Roman "Fahrenheit 451" im Jahr 1953. Dieser basiert auf einer Kurzgeschichte des US-Autors und wurde 1966 von Francois Truffaut unter dem gleichen Titel verfilmt.

Das Theaterensemble gruppo-di-grappa hat den Stoff des Romans in einer eigenen Fassung für zwei Personen für das Theater adaptiert und auf die Bühne gebracht. Dabei wurden die im Roman agierenden rund zehn Rollen ausschließlich von den beiden Darstellern Astrid Neubert und Joachim Rogier gespielt.

Die Anklänge des Stoffes an den Totalitarismus sind immer oder schon wieder aktuell. Ray Bradbury reiht sich mit Fahrenheit 451 ("der Erhitzungsgrad, bei dem Bücherpapier zu brennen beginnt") ein in eine ganze Reihe von dystopischen Romanen und Stücken aus den 20er, 30er, 40er und 50er Jahren: Jevgenij Samjatin "Wir" (1920), Aldous Huxley "Schöne neue Welt" (1932), George Orwell "1984" (1948), Slawomir Mrozek „Die Polizei“ (1958), „Auf hoher See“ (1961), um nur einige zu nennen. Sie alle sind bis heute nicht aus der Mode gekommen, sondern haben im Gegenteil auch in unserer heutigen Zeit etwas zu sagen.

So finden auch in unseren Tagen Bücherverbrennungen statt. Denkt man nur an die Verbrennungen von Salman Rushdies "Satanische Verse", die öffentliche Verbrennung von Harry-Potter-Büchern in den USA durch kirchliche Eiferer, Koran-Verbrennungen, usw. aber auch Zensur auf dem Buchmarkt bis hin zu Löschungen von unerwünschten Informationen und Beiträgen im Internet.

Das Theater "gruppo-di-grappa" wurde 1995 von zwei langjährigen Mitgliedern der Theatergruppe Harlekin aus Unterhaching gegründet und bald durch weitere Theaterbegeisterte u.a. aus der Kabarettgruppe München-West aus Pasing komplettiert. Mit viel Schwung und Gestaltungsfreude startete die Gruppe sogleich mit der Komödie "Mittsommernachts-Sex-Komödie" von Woody Allen, denen im Laufe der Jahre Krimis, Komödien und auch ernstere Themen folgten.